EU

Die Umsetzung der Zollvereinbarung zwischen der EU und den USA aus dem vergangenen Jahr hat die letzte politische Hürde genommen: Das Europaparlament stimmte heute in Straßburg dafür, europäische Zölle auf US-Industriewaren wie Autos und Maschinen zeitweise abzuschaffen.

Der Rat der EU-Länder muss nun formal grünes Licht geben, das dürfte vor einer von US-Präsident Donald Trump gesetzten Frist am 4. Juli abgeschlossen sein.

Die Zollabschaffung soll mit Inkrafttreten des Gesetzes greifen und am 31. Dezember 2029 auslaufen. Sie ist das Kernstück der Vereinbarung zwischen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump vom vergangenen August. Der US-Präsident versprach im Gegenzug, auf die meisten EU-Produkte maximal einen Zoll von 15 Prozent zu erheben.

Das Europaparlament hat ein Verbot von Anwendungen beschlossen, mit denen Nutzerinnen und Nutzer mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) sexualisierte Bilder von Menschen ohne deren Zustimmung erstellen können.

Die Abgeordneten stimmten heute in Straßburg für die Gesetzesänderung, die ab dem 2. Dezember gelten soll. Sie ist Teil einer breiteren Reform der europäischen KI-Regeln.

Skandal in Musks Chatbot Grok

Die EU reagiert damit unter anderem auf Vorfälle vom Anfang des Jahres, als Nutzerinnen und Nutzer mit Hilfe des Chatbots Grok von US-Milliardär Elon Musk Millionen sexualisierte KI-Bilder von Frauen und Kindern erstellten und online verbreiteten. Mehrere Länder sowie die EU-Kommission leiteten Ermittlungen gegen Grok ein, einige sperrten den Chatbot.

KI-Regeln sollen einfacher umsetzbar werden

Das Verbot der Anwendungen ist Teil des heute beschlossenen KI-Omnibus, der nach Angaben der EU die Regeln des EU-KI-Verordnung einfacher umsetzbar machen soll.

Parlament und Mitgliedsstaaten einigten sich etwa darauf, Regeln für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in „Hochrisiko“-Bereichen wie Sicherheitsbehörden und Gesundheitssystemen zu verschieben. Der Maschinenbau wird von einer Reihe von Regeln für den Einsatz von KI ausgenommen. Der Rat der 27 EU-Länder muss die Reform noch absegnen, das gilt aber als Formsache.

Das EU-Parlament hat heute in Straßburg für Maßnahmen für eine bessere Position der Landwirtinnen und Landwirte in der Lebensmittelversorgungskette gestimmt.

Auch das vieldiskutierte Verbot von Fleischersatzprodukten ist in dieser Regelung enthalten: Fleisch wird als „die zum Verzehr geeigneten Teile von Tieren“ festgelegt. Bezeichnungen wie „Seitan-Steak“ und „veganes Huhn“ sind damit also in Zukunft verboten; den „Veggie-Burger“ darf man hingegen weiterhin essen.

Endpreise sollen Produktionskosten wiedergeben

Laut der Regelung zur Stärkung der Bäuerinnen und Bauern sollen etwa die Endpreise für Lebensmittel die tatsächlichen Produktionskosten besser wiedergeben.

Die EU-Länder sollen dafür Onlineindikatoren einführen und veröffentlichen, die als Referenzwerte in vertraglichen Vereinbarungen dienen. Das Abkommen klärt auch die Verwendung von Begriffen wie „fair“ für landwirtschaftliche Produkte und listet die Kriterien für die Zulassung einer solchen Kennzeichnung auf.

Verbindliche schriftliche Verträge sollen speziell Milchproduzenten angesichts der schwierigen Bedingungen des Sektors unterstützen.

„Tofu-Kotelett“ wird verboten

Für das meiste Aufsehen hatte ein mögliches Verbot von „Veggie-Burgern“ und „Seitan-Schnitzeln“ gesorgt. Diese stehen nun aber nicht auf der Liste von Bezeichnungen, die künftig tierischen Produkten vorbehalten sein sollen.

Fleisch wird in der Regelung als „die zum Verzehr geeigneten Teile von Tieren“ festgelegt, also etwa Schulter, Steak und Speck. Bezeichnungen wie „Tofu-Kotelett“ sind damit also in Zukunft verboten.

„Dort, wo Fleisch draufsteht, muss auch Fleisch drinnen sein. Vegetarische Hühnerkeulen gibt es nicht“, sagte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) zum Kompromiss.

Regelung gilt bis Ende 2027

Die Kommission hatte mit ihrem Vorschlag von Dezember 2024 auf die zahlreichen Proteste von Landwirtinnen und Landwirten in Brüssel und einigen EU-Staaten reagiert.

Die Diskussionen sind aber noch nicht zu Ende, denn die Regelung gilt vorerst bis Ende 2027. Bis dahin muss eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU abgeschlossen sein.

Ukraine-Krieg

US-Präsident Donald Trump hat Russland zu einer Vereinbarung mit Kiew zur Beendigung des Ukraine-Krieges aufgefordert. „Russland sollte ein Abkommen schließen“, sagte Trump heute am Rande des G-7-Gipfels im französischen Evian.

Er bestätigte, dass er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Evian bereits getroffen habe und ein weiteres Gespräch mit ihm geplant zu haben. Vor dem Gipfeltreffen hatte Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert.

Von der Leyen: Blatt wendet sich für Ukraine

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich optimistisch, dass in die Bemühungen um ein Ende des Krieges neuer Schwung kommt. „Das Blatt wendet sich für die Ukraine“, sagte sie. Die Lage im Jahr 2026 unterscheide sich stark von der im Jahr 2025. Während die Ukraine mutig die Front halte, zeige sich Russlands Erschöpfung offen.

G-7 will neue Energiesanktionen

Die G-7-Staaten verständigten sich unterdessen Berichten zufolge auf neue Sanktionen gegen Russland. Die anwesenden Staats- und Regierungsspitzen hätten entschieden, „den Druck auf Russland zu erhöhen, insbesondere durch Sanktionen auf Öl und Gas“, hieß es aus diplomatischen Kreisen. Zudem wollten die G-7-Staaten die Ukraine weiterhin bei der Luftabwehr unterstützen, hieß es.

Trump kündigte seinerseits an, dass er die ausgesetzten Sanktionen gegen russische Ölexporte wieder in Kraft setzen wolle. Die USA würden „bald in der Lage sein“, das zu tun, sagte Trump.

Großbritannien und Kanada verhängen neue Sanktionen

Die Premierminister von Großbritannien und Kanada, Keir Starmer und Mark Carney, kündigten neue Sanktionen an, die auf die russische „Schattenflotte“ sowie die Rüstungsindustrie abzielen. Carney zufolge sollen 162 Menschen, Unternehmen und Schiffe neu auf die Sanktionsliste Ottawas kommen.

Großbritannien verhängt 70 neue Sanktionen gegen Russlands „Schattenflotte“, Lieferketten im Rüstungsbereich und illegale Finanznetzwerke zur Umgehung von Sanktionen. Dabei soll die Beschaffung westlicher Technologie für das russische Militär unterbunden werden.

Krieg in Nahost

US-Präsident Donald Trump hat heute die israelischen Angriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut kritisiert. Er habe Israel deutlich gemacht, dass ihm das nicht gefallen habe, sagte Trump am Rande des G-7-Gipfels in Frankreich.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu müsse im Hinblick auf den Libanon verantwortungsvoller agieren. Wenn Israel seine Aufgaben nicht erledigen könne, ohne alle anderen zu töten, solle sich Syrien um die Hisbollah-Miliz kümmern, so Trump weiter.

Das habe er Israel vorgeschlagen. Auf die Frage, ob er von Netanjahu frustriert sei, entgegnete Trump: „Nein, wir haben eine großartige Beziehung.“ Dem Iran bescheinigte der US-Präsident inzwischen eine „rationale Führung“.

Iran-Abkommen dominiert G-7-Auftakt

Der Iran junktimiert einen möglichen Frieden mit den USA mit einem Ende der Gewalt zwischen Israel und der schiitischen Terrororganisation Hisbollah im Libanon. Das nun geschlossene Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran und seine Folgen haben den Auftakt des G-7-Gipfels im französischen Kurort Evian bestimmt.

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Inland

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) drängt auf Ergebnisse bei der Reform des Präsenzdiensts. Bei einer Pressekonferenz heute sagte Stocker, dass genug geredet worden sei. Nun müsse es zu Taten kommen. Gleiches gilt aus Sicht des ÖVP-Chefs bei der geplanten Staatsreform. Hier sollen über den Sommer Ergebnisse erzielt werden.

Was die Heeresreform angeht, betonte er die klare Präferenz seiner Partei für das „Österreich plus“-Modell. Aber man sei in Verhandlungen. Stocker verwies darauf, dass die Expertenkommission nicht nur ein Modell, sondern mehrere vorgeschlagen habe. Man solle sich von diesen nicht zu weit entfernen.

Koalition bei Volksbefragung uneins

Eine Volksbefragung hielte er weiter für ein geeignetes Instrument. Er nehme aber zur Kenntnis, dass er dazu in der Koalition keine Mehrheit habe. Wichtiger ist für ihn, dass man die Reform mit Jahresbeginn startbereit habe. Sollte man über den Sommer zu keinem Ergebnis kommen, werde man sich das Thema Volksbefragung wieder näher ansehen.

Weiters kündigte der Kanzler für den Herbst eine Reform des ORF an. Diese gehe bis zum Auftrag des Unternehmens und der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) will „schlussmachen mit Klimapolitik um jeden Strompreis“. Das sagte er heute bei einer Diskussionsrunde über die Industriestrategie. Zentral für die Energiepolitik seien Versorgungssicherheit, Finanzierbarkeit und Unabhängigkeit.

Industriestrategie mit Fokus auf Innovation

Das vielzitierte energiepolitische Dreieck umfasst üblicherweise die Ziele Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Nachhaltigkeit, Hattmannsdorfer ersetzte Letzteres in seiner Keynote mit dem Ziel der Unabhängigkeit. Klarer Fokus der Industriestrategie sei die Innovation.

Auch der Chef des teilstaatlichen Energiekonzerns Verbund, Michael Strugl, bemühte das energiepolitische Dreieck. Vor dem Hintergrund der Energiekrisen der vergangenen Jahre sei die Finanzierbarkeit viel diskutiert und mit dem Iran-Krieg die Versorgungssicherheit Thema geworden. Manchmal werde heute so getan, als seien Nachhaltigkeitsgesichtspunkte nicht mehr wichtig.

Verbund-Chef: Klimawandel kostet Milliarden

„Fakt ist aber, dass die Klimaveränderung passiert, und Fakt ist, dass sie uns Milliarden kostet“, sagte der Verbundchef. Notwendig sei eine „massive Elektrifizierung in allen Sektoren“, die nur gelingen könne, wenn die Strompreise bezahlbar bleiben.

Die Industriestrompreise und Großhandelspreise für Strom seien in Europa höher als in den USA und China, sagte Anton Burger vom Beratungsunternehmen Compass Lexecon. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung der Industrie werde das auch zunehmend zu einem Problem für Unternehmen. „Die gute Nachricht ist, dass man durch den Erneuerbaren-Ausbau die Strompreise dämpfen kann“, so der Consulter.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt sei es auch notwendig, dass die Energiewende „mit den Beschäftigten gemeinsam gedacht“ wird, sagte die Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der Arbeiterkammer (AK) Wien, Christa Schlager.

Ausland

Nach dem Platzen der bisherigen Koalition in Litauen hat der Baltikum-Staat einen neuen Regierungschef: Präsident Gitanas Nauseda bestätigte heute die Ernennung des sozialdemokratischen Parteichefs Mindaugas Sinkevicius zum Ministerpräsidenten. Der frühere kurzzeitige Wirtschaftsminister löst seine Parteifreundin Inga Ruginiene an der Spitze der Regierung ab.

Anfang Juni hatte die Sozialdemokraten bekanntgegeben, die populistische Partei Ausra prie Nemuno (Morgenröte über der Memel) aus der bisherigen Koalition auszuschließen. Ein Grund waren Meinungsverschiedenheiten in der Verteidigungspolitik.

Zudem warfen die Sozialdemokraten dem Parteivorsitzenden Remigijus Zemaitaitis vor, „radikaler“ geworden zu sein. Im vergangenen Jahr war Zemaitaitis von einem Gericht schuldig gesprochen worden, zum Hass gegen Juden aufgestachelt und den Holocaust verharmlost zu haben.

Die neue Koalition besteht aus den Sozialdemokraten, dem Bund der Bauern, Grünen und Christlichen Familien und den Demokraten für Litauen. Zusammen verfügen sie im Parlament über eine Mehrheit von 75 der 141 Abgeordneten. Die offizielle Unterzeichnung der Vereinbarung über das neue Bündnis steht noch aus. Anschließend muss Präsident Nauseda noch zustimmen.

Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotritsch hat eine drei Jahrzehnte alte Vereinbarung mit der Palästinensischen Autonomiebehörde aufgekündigt. „Ich habe das Hebron-Abkommen aufgehoben“, schrieb Smotritsch heute in einem Post auf der Plattform X.

Das bedeute, dass zahlreiche Befugnisse, die in der geteilten Stadt Hebron im Westjordanland und an den dortigen heiligen Stätten nicht länger bei der palästinensischen Stadtverwaltung von Hebron lägen, „sondern wieder vollständig in die Verantwortung des Staates Israel zurückkehren“, schrieb Smotritsch.

Abbas: „Schwerwiegende Folgen“

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warnte nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA vor „schwerwiegenden Folgen“ der Entscheidung. Auch die israelische Organisation Peace Now kritisierte die Entscheidung als „gefährlichen und verantwortungslosen Schritt eines gescheiterten Politikers“.

Das Hebron-Abkommen war 1997 unter der Vorgängerregierung von Benjamin Netanjahu vereinbart worden, der damals ebenfalls Ministerpräsident war. Es sah unter anderem die Teilung der Stadt vor.

Danach kontrollierte Israel weiter ein Fünftel der Stadt, um mehrere hundert zumeist radikale jüdische Siedlerinnen und Siedler zu schützen. Insgesamt leben in der Stadt nach Schätzungen rund 200.000 Palästinenserinnen und Palästinenser.

Die US-Bundespolizei FBI hat nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Anschlag auf ein Kampfsportevent vor dem Weißen Haus am Sonntag – dem Geburtstag von US-Präsident Donald Trump – verhindert.

Bei einer bundesstaatenübergreifenden Operation seien mehrere Menschen in Gewahrsam genommen worden, schrieb FBI-Chef Kash Patel heute auf der Plattform X.

Berichte: Anschlag mit Drohnen

In einem Bericht des Senders Fox News, den der FBI-Chef teilte, hieß es unter Berufung auf Behördenmitarbeiter, dass bei dem mutmaßlichen Anschlag mit Sprengstoff beladene Drohnen eingesetzt werden sollten.

Damit sollten Gebäude in der Umgebung getroffen werden, um eine Evakuierung der Veranstaltung zu erzwingen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Richtung einer Gruppe von Scharfschützen zu treiben. Im Anschluss sei geplant gewesen, den Eingang des Weißen Hauses zu stürmen, hieß es im Bericht.

Berichte: Eine Person festgenommen

Das FBI und die Strafverfolgungsbehörden seien bereits am 10. Juni auf eine „potenzielle Bedrohung“ für die Veranstaltung aufmerksam geworden, schrieb Patel.

Wie Fox News und CBS News berichteten, kam es daraufhin zu einer Festnahme. In Chats über den Messengerdienst Signal seien die Ermittler auf die mutmaßlichen Anschlagspläne aufmerksam geworden, was zu weiteren Festnahmen geführt habe.

Wegen sexueller Belästigung und Übergriffen auf sudanesische Flüchtlinge hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mehrere Mitarbeiter entlassen.

18 ehemals Beschäftigte dürften nicht mehr mit der Organisation zusammenarbeiten, teilte eine Sprecherin der in Paris ansässigen Hilfsgruppe heute mit. Die Taten hatten sich laut MSF im Osten des Tschad ereignet.

Wie Ärzte ohne Grenzen mitteilte, hatten mehrere aus dem Sudan geflüchtete Frauen und Minderjährige Vorwürfe gegen Personal der Hilfsorganisation vorgebracht. Während einer internen Untersuchung dazu Ende 2024 seien insgesamt 59 Vorwürfe gegen Angestellte, Tagelöhner, externe Dienstleister und Lieferanten aufgekommen.

MSF zufolge konnten nicht alle Vorwürfe bestätigt werden, etwa weil weder das potenzielle Opfer noch der mutmaßliche Täter identifiziert werden konnte. In den Fällen, in denen schwere Fehler festgestellt worden seien, habe es Disziplinarmaßnahmen gegeben.

„Schwere Missachtung der Werte“

„Dieses Verhalten stellt eine schwere Missachtung der Werte und der Verantwortlichkeiten von MSF dar, und wir bedauern die schweren Schäden, die verursacht wurden, aufrichtig“, hieß es von der Hilfsorganisation.

Man arbeite daran, sowohl bei der Vorbeugung als auch beim Erkennen von und beim Reagieren auf Übergriffe besser zu werden. Die Organisation gestand Lücken in ihrem Anstellungsprozess ein. Gleichzeitig verwies MSF darauf, dass auch die Rahmenbedingungen bei der Notarbeit mit Geflüchteten das Risiko für Ausbeutung erhöhten.

Wirtschaft

Die Buchungslage im heimischen Tourismus ist gut, auf den Erfolgen darf man sich laut Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) aber nicht ausruhen. Das sagte sie heute zum Start der Branchenveranstaltung Österreichischer Tourismustag (ÖTT) im Wiener Austria Center.

Im Fokus stehen Themen wie Digitalisierung, KI, die wirtschaftliche Stärkung der Betriebe und die Entwicklung in Richtung Ganzjahrestourismus.

„Der österreichische Tourismus ist erfolgreich, aber die Spielregeln haben sich geändert- Gute Nächtigungszahlen heißen nicht, dass die Erträge gut sein müssen“, sagte die Präsidentin der Wirtschaftskammer (WKO), Martha Schultz. Künstliche Intelligenz verändere den internationalen Wettbewerb grundlegend.

„Gast sucht heute anders als Gast von gestern“

„Der Gast sucht heute anders als der Gast von gestern“, bekräftigte die Geschäftsführerin der nationalen Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung (ÖW), Astrid Steharnig-Staudinger. Wichtig sei es auch zu wissen, wie man die „Gen Z“ anspreche und erreiche.

Gestern hatte Zehetner die neue Tourismusstrategie namens „Vision T“ bis 2035 präsentiert. Darin festgeschrieben sind Ziele wie die Steigerung der realen Wertschöpfung um zehn Prozent auf über 25 Mrd. Euro.

„Wirtschaftspolitik geht in Österreich nur mit Tourismuspolitik“, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP). Das klare Bekenntnis spiegele sich auch im jüngst beschlossenen Doppelbudget der Regierung wider.

Nahrung aus dem Meer, aus Flüssen und Seen und auch aus Aquakulturen ist zunehmend gefragt: In dem nun veröffentlichten Bericht der Welternährungsorganisation (FAO) zu Fischerei und Aquakulturen ist von einem neuen Produktionshöchststand von 235 Millionen Tonnen die Rede, die im Jahr 2024 produziert worden seien.

Diese Zahl setze sich aus 195 Millionen Tonnen Wassertieren und 40 Millionen Tonnen Algen und Meeresalgen zusammen. Das sagte Manuel Barange, FAO-Direktor für Fischerei und Aquakultur, bei der Vorstellung des Berichts auf einer Konferenz in der kenianischen Hafenstadt Mombasa.

Zunehmende Bedeutung von Aquakulturen

Die weltweite Aquakulturproduktion habe bei tierischen Arten erstmals die symbolische Marke von 100 Millionen Tonnen überschritten, was einem Wachstum von 8,4 Prozent gegenüber dem Stand vor zwei Jahren entspricht, so Barange. Die Fangfischerei verzeichnete mit 92 Millionen Tonnen einen Anstieg von 1,7 Prozent gegenüber 2022.

Nahrungsmittel aus dem Meer spielten eine zunehmend wichtige Rolle bei der Ernährung der Menschen, hieß es: Seit 1961 sei das Gesamtangebot an Lebensmitteln aus Wassertieren, Algen ausgenommen, doppelt so schnell gewachsen wie die Weltbevölkerung.

„Wir entnehmen dem Meer zu viel“

Bei der Nachhaltigkeit der Meeresfischerei gebe es aber weiter Anlass zur Sorge, sagte Barange. Schätzungsweise 62,4 Prozent aller weltweit befischten Bestände würden innerhalb biologisch nachhaltiger Grenzen befischt. Das bedeutet, ihre Populationen bleiben erhalten. Doch fast 38 Prozent der Bestände würden überfischt. „Wir entnehmen dem Meer zu viel“, so Barange.

In Deutschland hat der Bund als Eigentümer von zwölf Prozent der Commerzbank-Aktien das von der italienischen Großbank UniCredit vorgelegte Angebot zum Tausch von Aktien der Commerzbank zurückgewiesen. Die zuständige Finanzagentur erklärte heute, sie unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank und lehne das „aggressive Vorgehen“ der UniCredit ab.

Das Angebot komme außerdem wirtschaftlich nicht infrage, da es keine „angemessene Prämie“ auf den aktuellen Kurs der Commerzbank enthalte.

Die Finanzagentur betonte, die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands. Sie sei als bedeutender Arbeitgeber zudem zentral für den Finanzstandort Frankfurt. „Beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen.“

Berlin und Commerzbank lehnen Übernahme ab

Die UniCredit kauft bereits sei Ende 2024 im großen Stil Anteile an der Commerzbank und strebt eine Übernahme an. Sie hat vorgeschlagen, das internationale Netzwerk der Commerzbank, das als zu komplex und ineffizient gilt, zu verkleinern und die Bank wieder stärker auf ihr Deutschland-Geschäft auszurichten. Die Commerzbank-Führung und die deutsche Regierung lehnen die Übernahme vehement ab.

Der deutsche Staat hält noch einen Anteil von 12,1 Prozent an der Commerzbank, ein Überbleibsel der Rettungsaktion von 2008 während der weltweiten Finanzkrise. Infolge der Übernahmepläne der UniCredit hatte die Bundesregierung angekündigt, keine weiteren Anteile zu verkaufen.

Anfang Mai legte die UniCredit ein freiwilliges Angebot für die Commerzbank vor, sie bietet eigene Aktien zum Tausch. Dieses Angebot endet heute um Mitternacht, kann aber verlängert werden. Die italienische Bank besaß bereits davor knapp 27 Prozent der Anteile, mittlerweile wurden ihr nach eigenen Angaben weitere rund 134.000 Aktien angeboten, was einem Anteil von „circa 11,91 Prozent des Grundkapitals“ entspreche.

Chronik

Beim Absturz eines US-Militärflugzeugs im Bundesstaat Kalifornien sind nach Angaben des US-Militärs alle acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Das bestätigten die US-Luftstreitkräfte gestern (Ortszeit).

Ein B-52-Bomber der US-Luftstreitkräfte stärzte nach Angaben des Militärs kurz nach dem Start in Südkalifornien ab und ging in Flammen auf. Die Maschine sei nach dem Abheben auf der Startbahn der Edwards Air Force Base verunglückt, sagte Air-Force-Oberst James Hayes.

AP/Debbie Reyes Katz

Es habe sich um einen routinemäßigen Testflug für ein Radarmodernisierungsprogramm gehandelt. An Bord sei eine gemischte Besatzung aus Militärangehörigen, zivilen Regierungsmitarbeitern und Beschäftigten von Vertragsfirmen gewesen.

„Gab keine Rettungsmöglichkeit“

„Nach der Auswertung von Videoaufnahmen des Absturzes wurde festgestellt, dass es keine Rettungsmöglichkeit und keine Überlebenschance gab“, so Hayes. Auch zur möglichen Absturzursache gab es keine Angaben, sie werde jedoch untersucht.

Die von Boeing gebaute B-52 „Stratofortress“ ist ein Langstreckenbomber, der sowohl nukleare als auch präzisionsgelenkte konventionelle Waffen tragen kann. Das Flugzeug bildet seit Langem das Rückgrat der strategischen US-Bomberflotte und kann in Höhen von bis zu rund 15.000 Metern operieren.

Umwelt & Klima

Gute Nachrichten für den Sommer und die anstehende Hitze: Die Wasserqualität in Meeren, Flüssen und Seen Europas ist fast überall sehr hoch. 96 Prozent aller Badegewässer in der Europäischen Union erfüllten die Mindestqualitätsstandards, 85 Prozent seien „ausgezeichnet“, teilte die Europäische Umweltagentur heute mit. Die Wasserqualität blieb damit auf dem gleichen Niveau wie im vergangenen Jahr.

Untersucht wurden für den Bericht mehr als 22.000 Badeorte in der EU sowie in Albanien und der Schweiz. Dabei wurde die Wasserqualität anhand der nachgewiesenen Bakterienkonzentration mit „ausgezeichnet“, „gut“, „ausreichend“ oder „mangelhaft“ bewertet.

Österreich auf Platz vier

Der Bericht bestätigte auch die hervorragende Wasserqualität in Österreich. Von den insgesamt 260 untersuchten heimischen Badestellen wurden 251 (96,5 Prozent) als „ausgezeichnet“ klassifiziert.

Nur eine Stelle, der Pleschinger See in Oberösterreich, wies eine „mangelhafte Badewasserqualität“ auf. Somit liegt Österreich gemessen am Anteil der als „ausgezeichnet“ klassifizierten Stellen wie im Vorjahr auf dem vierten Platz der 29 untersuchten Länder, so Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) und Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung.

Medien

Der designierte ORF-Chef Clemens Pig sucht nach 13 ORF-Direktorinnen und -Direktoren. Heute nahm er die Ausschreibung der Spitzenposten vor. Gesucht sind Direktoren für „Programm und Brands“, „Audience und Plattformen“, „Finanzen und Verwaltung“, „Technologie und Innovation“ und neun Landesdirektoren bzw. Landesdirektorinnen für die Jahre 2027 bis 2031.

Er will auf ein strikt ausgewogenes Geschlechterverhältnis achten. Bewerbungen müssen bis 14. Juli um 24.00 Uhr einlangen. Mit der Direktorenstruktur weicht Pig etwas von der gegenwärtigen Aufteilung – Technik, Finanz, Programm und Radio – ab. Die Informationsagenden behält er bei sich.

Pig muss sein Team dem ORF-Stiftungsrat zur Bestellung vorlegen. Ob über seinen Antrag einzeln oder en bloc abgestimmt werden soll, bestimmt er. Jedes Mitglied des ORF-Stiftungsrats hat das Recht, die vorgeschlagenen Personen in einer Bestellungssitzung – die für Ende Juli angepeilt ist – zu befragen.

NEOS übt Kritik an Bestellprozess

NEOS übte bei einer Pressekonferenz Kritik am Bestellprozess, der transparent, fair und diskriminierungsfrei sein sollte. „Wenn die Ausschreibung erst jetzt startet und gleichzeitig gesetzliche Fristen eingehalten werden müssen, bleibt aber kaum Zeit für Auswahl, Hearings und eine ernsthafte Prüfung der Kandidaten“, sagte NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter.

Kultur

Die portugiesische Autorin Lidia Jorge ist die neue Trägerin des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur. Die 79-Jährige erhält die mit 25.000 Euro dotierte Ehrung für ihr Gesamtwerk, wie das Kulturministerium heute mitteilte.

Geboren am 18. Juni 1946, zählt Jorge seit Langem zu den bedeutendsten literarischen Stimmen Portugals. Jorge wird die Ehrung am 27. Juli durch Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) am Rande der Salzburger Festspiele verliehen.

AP/CTK/Marketa Vojtikova

In den knapp 50 Jahren ihres Schaffens hat Jorge 13 Romane veröffentlicht, darüber hinaus Kinderbücher, Erzählungen, Theaterstücke und Gedichte.

Zentrale Themen im Werk der Literatin sind die Kritik am Kolonialismus, gesellschaftliche Ungleichheiten und die Diskriminierung von Frauen. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen „Erbarmen“ (2024) und „Der Tag der Wunder“ (1992). Zuletzt erschien von der heute in Lissabon lebenden Autorin „Die Stunde der Nelken“ im Verlag Secession.